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L’échange franco-allemand en 2017/ Der deutsch-französische Austausch 2017

Erstellt: Donnerstag, 18. Mai 2017 Geschrieben von J. Hellweg, B. Voß, M. Endemann

Zum ersten Mal findet die Begegnung in beiden Ländern direkt nacheinander statt!

 

Donnerstag, der 27.04.2017

Der erste Tag unseres Austausches stand am Morgen ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die erste Begegnung mit unseren französischen Partnern vom Lycée St. Vincent de Paul aus der Geseker Partnerstadt Loos.

Während einige Schüler die Tische voller Elan zu Tischgruppen zusammenstellten, verschönerten einige Zeichenkünstler die Tafel eifrig mit einem zu unserem Austausch passenden Bild.  Wieder andere zauberten einige Willkommensgrüße in französischer Sprache auf die Fensterscheiben ( oder bereiteten den Tisch für unsere (wirklich einladende) Kaffeetafel bzw. das gemeinsame Abendbrot vor.

Danach ging es ins Geseker JUZ, wo wir frische Kuchen und Muffins für die Gäste zubereiteten. Zwischendurch blieb noch etwas Zeit, um Inhalte und sprachliche Mittel für die verschiedenen Besichtigungen zu wiederholen, damit diese (sprachintensive) Phase gute Aussichten hatte zu gelingen.

Gegen 15.00 Uhr erreichten die Franzosen in Begleitung von Mme Christel Ricoleau und Mme Belpaire schließlich ihr Ziel, und es kam zum ersten sprachlichen Austausch: Die Kugellagermethode bot den Schülern die Gelegenheit, sich mit fast allen Partnern in der Fremdsprache zu unterhalten, wenn auch nur für jeweils eine Minute. Es gelang hierbei, das Eis zu brechen.

Auch das gemeinsame Kuchenessen ermöglichte es den Schülern, sich erneut auszutauschen, denn die Tischordnung sah eine Durchmischung von Deutschen und Franzosen vor.

Im Anschluss hieran folgte der Schulrundgang: Die deutschen Schüler leiteten ihre Partner (auch hier war wieder eine neue Zusammensetzung der Gruppen vorgenommen worden) durch die Schule und stellten ihnen einige Hintergrundinformationen zur Verfügung. Hierbei erprobten die Geseker Schüler motiviert ihre Vokabelkenntnisse aus dem schulischen Kontext.

Um den Franzosen einen Eindruck von unserer Stadt zu vermitteln, ging es nach der Schulbesichtigung in die Stadt. Die Schüler zogen abermals Lose, die eine erneute Gruppenzuordnung zuließ. Dadurch hatten sie die Chance, möglichst viele der Partner kennen zu lernen und sich erneut in der Fremdsprache zu üben.

Dieser erste lange und intensive Tag fand seinen Abschluss in dem gemeinsamen Abendessen: Die Franzosen lernten ein typisch deutsches Abendessen, das Abendbrot, kennen.

Danach fuhren sie mit dem Zug in die Paderborner Jugendherberge, in der sie während ihres Aufenthaltes in Deutschland wohnen sollten. Auch das ist etwas, das erst zum zweiten Mal durchgeführt wird, denn bis 2014 gab es noch die ganz traditionelle Familienunterbringung.

 

Freitag, der 28.04.2017

An diesem Tag stand zunächst die Begrüßung durch unseren Bürgermeister, Herrn Remco van der Velden, auf dem Programm. In seiner Ansprache hob er die Bedeutung der Jugendbegegnungen für die deutsch-französische Freundschaft hervor. Mit diesen Worten stellte er seine Übereinstimmung mit dem Präsidenten des Europaparlaments unter Beweis. Dieser schrieb anlässlich des Europatags am 09. Mai 2017 folgendes: „Das europäische Bewusstsein entfaltet und verbreitet sich an erster Stelle in den Klassenzimmern und es ist daher kein Zufall, dass unsere jungen Menschen die überzeugtesten Europäerinnen und Europäer sind.“

Danach ging es zurück in die Schule, wo sich deutsch-französische Gruppen mit verschiedenen Themen aus Politik, Arbeitswelt, Musik, Sprichwörtern, Comics etc. spielerisch in Form eines Quiz auseinandersetzten. Die Gewinner des Spiels, die Gruppe, die sich den Fantasienamen Karguette (eine Zusammenziehung des deutschen Wortes Kartoffel und des französischen Wortes baguette) gegeben hatte, konnten sich über einen Hausaufgabengutschein freuen.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Schulkantine fuhren die Schüler, begleitet von Frau Berensmeier, nach Detmold ins LWL Freilichtmuseum, wo es zwei verschiedene Programmpunkte für die beiden Gruppen gab. Während sich die Deutschen mit dem Schicksal einer jüdischen Familie auseinandersetzten, nahmen die Franzosen an einer Führung durch die verschiedenen Dörfer teil.

 

Samstag, der 29.04.2017

Am dritten Tag des Austausches ging es nach Köln. Frau Voß hatte sich bereit erklärt, die Schüler auf dieser langen Tagesfahrt zu betreuen.

Um 10:15 kam die deutsch-französische Gruppe in Köln an und konnte zunächst einmal ein wenig die Innenstadt um den Dom herum kennen lernen, bevor sie um 12:00 beim WDR einen tollen Einblick in die Medienwelt gewinnen konnten.

Sie erfuhren, was sich hinter den Stimmen und Geräuschen aus dem Radio verbirgt und konnten hinter die Kulissen schauen. Auch erfuhren sie, welche Spezialisten an einer Sendung mitarbeiten und wie ein Studio funktioniert.

Die Studios bekannter Sendungen stehen Besuchern offen. So konnte man beispielsweise hinter die Kulissen der Sendung "Hart aber Fair" blicken. Das Sportstudio war leider nicht zu besichtigen, weil die Sendung für den Abend vorbereitet wurde.

Danach spazierten alle am Rhein entlang, um zum Sportmuseum zu gelangen. Dort wurden alle  in zwei Gruppen durch das Museum geführt. Anhand einer "Timeline" konnten hier die Entwicklung des Sports des antiken Griechenlands bis zu aktuellen Geschehnissen verfolgt werden. Des Weiteren gab es Themenräume wie "antike Olympische Spiele", "Deutsches Turnen", "Englischer Sport", "Olympische Spiele 1936", "Boxen", "Fußball" oder "Olympische Spiele 1972" zu besichtigen. Viele Mitmachaktionen luden zu sportlicher Aktivität ein. Am Ende des Tages blieb sogar noch Zeit für einen Bummel durch die Stadt und die Geschäfte, sodass die Schüler auch ihren ganz persönlichen Neigungen nachgehen durften.

Um 19:45 fuhren dann alle zurück nach Paderborn und Geseke.

 

Sonntag, den 30.04.2017

Sonntag war der letzte Tag in Deutschland. Er wurde dafür genutzt, ins schöne Münster zu fahren, um dort in einer Stadtrallye die Stadt zu erkunden. Die Stadtführerinnen besprachen die jeweiligen Ergebnisse mit den beiden Gruppen, sodass jeder Schüler seine Gruppenergebnisse überprüfen konnte.

Das Mittagessen wurde im Café Milagro, einer von Studenten geführten Kantine, eingenommen, bevor uns der Bus dann nach Geseke zurückfuhr. Hier ging es in das ortsansässige Bowling Center, wo die Schüler zwei launige Stunden verlebten.

Damit war der Teil des Austausches, der sich in Deutschland abspielen sollte, auch schon beendet.

Am Folgetag wurde es für uns Deutsche erst richtig spannend, denn es sollte nach Frankreich gehen, um dort Land und Leute hautnah zu erleben und natürlich um die Kenntnisse der französischen Sprache weiter zu vertiefen!

 

Montag, der 01.05.2017

Am 01. Mai starteten wir um 09:00 Uhr mit dem Bus in Richtung Nordfrankreich. An Bord Herr Niermann (der Kapitän), Mme Christel Ricoleau, Mme Belpaire, Frau Endemann, Frau Hellweg mit 15 französischen und 22 deutschen Schülern und Schülerinnen. Die Fahrt verlief reibungslos, so dass wir am späten Nachmittag an unserer Herberge in Lille angekommen sind. Ein imposantes Gebäude in zeitgenössischer Baukunst, das so einiges versprach, stellte sich uns entgegen. Die „Auberge de jeunesse HI Lille Stephane Hessel“ überzeugte mit geräumigen Zimmern,  kolorierten (knallig orangefarbenen) Fluren, einem ausgebautem Sicherheitskonzept sowie einer großzügigen Dachterrasse mit Blick in einen kunstvoll gestalteten Binnenhof. So konnten Martina Endemann und Jana Hellweg den Austauschtagen in Frankreich beruhigt und freudig entgegenblicken. Den Rest des Tages nutzten die Schülerschaft und auch das Lehrpersonal zur Regeneration und ließen den Tag in einem italienischen Restaurant ausklingen.

 

Dienstag, den 02.05.2017

Der erste Tag des Austausches in Loos begann mit einem Empfang in Frankreich. Wir wurden überaus gastfreundlich und herzlich von der stellvertretenden Bürgermeisterin, Mme Balderyrou, empfangen. Für das leibliche Wohl war gesorgt: Croissants aus der ortsansässigen Bäckerei, Kaffee und Orangensaft versüßten uns den Morgen. Das leckere Essen und der freundliche Saal luden zu einem interkulturellen Pläuschchen ein. Besonders Louisa Schmeiduch, die höchst motiviert und engagiert die Chance ergriffen hatte, ihr zweiwöchiges Schulpraktikum in der Stadtverwaltung von Loos zu absolvieren (s. hierzu auch ihren Bericht auf unserer Homepage),  traf ihre Arbeitskollegen und war sofort „mittendrin“. 

Bei strahlendem Sonnenschein gingen wir spannungsvoll zum „Lycée St. Vincent de Paul“. Mal sehen, was uns dort erwartet, dachte sich wahrscheinlich der ein oder andere. In den Alltag einer französischen Schule hineinzuschnuppern ist immerhin etwas Besonderes! Ähnlich wie die Herberge, verfolgt auch das „Lycée St. Vincent de Paul“ ein strenges Sicherheitskonzept. Die Schule ist von hohen Zäunen und Mauern umgeben. Der Eingang wird streng bewacht. Kein Eintritt ohne Anmeldung und Passkontrolle - herrscht hier die Devise.

Es folgte ein abwechslungsreiches Programm. Unter anderem haben alle Schüler und Schülerinnen ihren ökologischen Fußabdruck ermittelt. Sie mussten Fragen wie zum Beispiel „Wie kommst du zur Schule?“, „Wie viele Wasserhähne gibt es in deinem Haushalt?“, „Wie heizt deine Familie?“, und „Welche Produkte konsumierst du?“ beantworten und je nach Antwort 1-10 Schritte vorgehen. So wurde jedem im direkten Vergleich mit den Anderen vor Augen geführt, wie viel Energie jeder verbraucht, so dass dieses sicherlich eine kritische Reflexion des eigenen Konsumverhaltens anregte.

Danach fuhren wir bei langsam schlechter werdendem Wetter nach Lille in die Altstadt, um diese zu erkunden. In gemischten Gruppen machten sich die deutschen und französischen Schüler auf, um eine Stadtrallye zu absolvieren. Währenddessen kehrte das Lehrpersonal zum kulturellen und kollegialen Austausch in ein Restaurant ein.

Der Tag wurde zu unserem aller Bedauern von einem Portmonees-Verlust einer Schülerin überschattet. So trat Frau Endemann verantwortungsbewusst – da Frau Hellweg der französischen Sprache nicht in allen Bereichen mächtig war – um 20 Uhr den Weg zur Polizeistation an. Nach Aussage unserer ortsansässigen Polizei in Geseke drohte nämlich ein  Ausreiseverbot der betroffenen Schülerin, so dass der Pass als gestohlen gemeldet werden musste. Diese Aktion bescherte der Schülerin und ihrer Lehrerin die Erfahrung eines gut fünfstündigen Wartens auf einem commissariat de police in Lille. Ihr Anliegen traf nämlich zeitgleich mit einer etwa 20-köpfigen Gruppe zusammen, die im Rahmen der procuration (Weitergabe seines Stimmrechts an einen Dritten aufgrund der Abwesenheit während der Präsidentschaftswahl) im Kommissariat aufliefen. Somit hatte die örtliche Polizei reichlich zu tun. Gegen 1 Uhr in der Frühe, war es schließlich geschafft. Die Anzeige war erstattet und eine Bescheinigung der Polizei war ausgestellt worden. Soll man nun sagen, dass das Erlebnis der sich anschließenden Rückfahrt zur auberge im französischen Streifenwagen mit circa 64 Stundenkilometern durch die nächtliche Innenstadt und über die eine oder andere rote Ampel ein Ausgleich für die erforderliche Geduldsprobe war?! Wie dem auch sei, gegen 01.45 Uhr waren die beiden Beteiligten wieder in ihren Zimmern, um sich eine kleine „Mütze Schlaf“ zu gönnen. J

 

Mittwoch, der 03.05.2017

Nach einem frühen und daher manchmal eher schnellen Frühstück um 06.00, machte sich die Reisegruppe bereits um 07:00 Uhr auf, um das Atomkraftwerk in Gravelines zu besuchen. Doch zuvor ereignete sich noch Folgendes:

So schlecht wie der letzte Tag endete, begann dieser umso positiver. „Glück im Unglück“ könnte man es nennen, denn das besagte Portmonee wurde im Bus zwischen Rückenlehne und Tablett eingeklemmt wieder aufgefunden. Dort hatte der Busfahrer, der von Frau Endemann am Vortag kontaktiert worden war, nicht nachgesehen, obgleich er ansonsten Sitze und Boden des Buses gewissenhaft abgesucht hatte.

Trotzdem verfügten zwei Schülerinnen über keine Ausweispapiere, welches den Zutritt zum AKW (Sicherheitskonzept!!!) verwehrte. So verblieben diese unter der Betreuung von Frau Hellweg in der Herberge. Ein Alternativprogramm musste her. Die Lehrerin und Schüler entschieden sich zum Museumsbesuch im „Palais des Beaux-Arts“. Das vierstündige Bildungsprogramm enthielt Kunst in Form von Skulpturen, Gemälden und Reliefs aus verschiedensten Epochen und Kulturen. Den Schülerinnen gefielen besonders gut die Landkartenreliefs aus dem 16. Jahrhundert. Über eine Fläche von ca. 3000m² wurden acht verschiedene Städte (darunter auch Lille und Gravelines) landschaftsgetreu dargestellt. Früher dienten sie einer strategischen militärischen Planung. Darüber hinaus bestaunten wir zahlreiche Gemälde aus dem Barock, dem Impressionismus, der Romantik sowie der Moderne (Regionale Künstler, aber auch Monet, Manet, Renoir und Picasso). Als Leitmotiv der Barockgemälde ist das Vanitas-Motiv klar hervorgetreten und konnte von den Schülerinnen in zahlreichen Gemälden identifiziert werden. 

Die AKW-Gruppe ließ sich derweil von einer Studentin der Wirtschaftswissenschaften mit Hilfe einer aufs Genaueste geplanten Powerpoint Präsentation über die Arbeit eines AKWs informieren. Im Anschluss daran ging es nach strengster Sicherheitskontrolle, die insgesamt gewiss die Hälfte der Zeit des Besuchs einnahm, zur Besichtigung auf das Gelände. Dass bei einem Besuch eines AKWs, das vom edf (électricité de france) geführt wird, natürlich nur die positiven Seiten hervorgehoben wurden, ohne den Hauch einer kritischen Äußerung einfließen zu lassen, lässt keinen verwundern! 

 

Donnerstag, der 04.05.2017

Der letzte Tag stand im Zeichen des Nationalsozialismus. Die nach Goebbels benannte Vergeltungswaffe 2 (kurz V2) wurde im Zweiten Weltkrieg im Blockhaus (Bunker) in Éperleques gefertigt. Unberührte Natur und massive Bunkeranlagen, die ganz im Zeichen der menschlichen Vernichtung stehen, verleihen diesem Ort eine einzigartige Stimmung. Der Krieg und die vergangene Zeit haben ihre Spuren hinterlassen, so dass aus dieser gigantischen militärischen Anlage ein unwirklicher Ort geworden ist. Eindrucksvoll wurde diese vorherrschende Stimmung durch eine authentische akustische Gestaltung der damaligen Zeit untermalt. Für Fragen und weiteren Hintergrundinformationen stand uns jederzeit eine nette französische Führerin zur Seite, die uns durch die Bunkeranlage geführt hat.

Am Nachmittag absolvierten wir einen Besuch im Maison du papier, wo alle Beteiligten die Theorie der Papierherstellung näher gebracht wurde. Ferner hatten wir die Gelegenheit, mit eigenen Händen Papier zu schöpfen. (Gruppenfoto vor dem Musée du papier)

Der Austausch fand im Fußball-Stadion von Loos seinen Ausklang. Dort fanden sich die deutschen und französischen Schüler ein, um gemeinsam gegen eine U15 und eine U13 Mannschaft des Fußballvereins von Loos anzutreten. Leistungsträgerin Franka gelang es gemeinsam mit den deutsch-französischen Mädchen gegen eine wirklich starke U13 Jungenmannschaft zwei Tore zu verwandeln. Es folgte ein geselliges Beisammensein in lockerer Stimmung im Vereinsheim von Loos. Am Ende des Tages verabschiedeten wir uns von unseren französischen Freunden, um erschöpft die Rückfahrt zur „Auberge de jeunesse HI Lille Stéphane Hessel“ anzutreten.

 

Freitag, der 05.05.2017

Nach ausgiebigem Frühstück fuhren wir etwas müde, aber dennoch zufrieden und in gelöster Stimmung um 08:00 Uhr zurück nach Geseke.