Erlebnispädagogik im Latinumskurs der EF – in der Küche des Lukullus
Hans, freier Mitarbeiter der Gourmet-Zeitschrift „Tafelfreuden à la Lukullus“ schlägt vorsichtig die Augen auf. Er fühlt sich hundeelend – er hat den monströsesten Kater seines Lebens. Aber das ist noch nicht das Schlimmste. Als er die verschwollenen Augen endlich wieder aufschlägt, stellt er mit Entsetzen fest, dass er auf einer Wiese unter freiem Himmel liegt. Wie bin ich bloß hierhergekommen?, denkt er. Mit der Hand sucht er sein Handy in seiner Jeans und stellt dabei fest, dass er gar keine Hose trägt. Mit Mühe unterdrückt er einen entsetzten Aufschrei: Er trägt nichts als einen kurzen, mit Rotwein bekleckerten weißen Kittel mit einem aus Goldfäden gewebten Gürtel. Neben ihm liegt ein verwelkter Kranz aus Efeu und Weinlaub. Das darf doch nicht wahr sein! Träume ich noch, oder was ist hier los?
Langsam versucht er die Ereignisse der vergangenen Nacht zu rekonstruieren. Auf der Suche nach Material für seinen nächsten Artikel wollte er das bodenständige Essen der einfachen Leute verkosten. Zu ziemlich später Stunde sah er, wie ein blond gelockter junger Mann ihm ein Zeichen gab, sich zu ihm zu gesellen und sich als Dionisio vorstellte. „Komm mit mir mit. Ich zeige dir etwas, das du dein ganzes Leben nicht vergessen wirst.
Hans entschied sich ihm zu folgen, wenn auch sehr verwirrt. Dionisio führte ihn durch die engen Gassen der Stadt, bis er vor einer großen Tür stehen blieb und dreimal klopfte. Wie aus Zauberhand öffnete sich die Tür und ein großer Raum enthüllte sich, in der Mitte des Raums standen mehrere Tische, auf denen jegliche Kochutensilien lagen, während drumherum viele kleinere Tische und Fässer standen, zwischen welchen sich mehrere Menschen wild durcheinander unterhielten und gemeinsam lachten. Fast jeder hatte ein Weinglas in der Hand und Hans konnte meist nur lallende Wörter verstehen.
Hans, völlig fasziniert von dem Raum und den vielen Menschen, wurde von Dionisio am Arm gegriffen und weitergezogen. Sie kamen zum Stehen am Herd mit zwei Männern.
„Das hier ist die Küche des Lucullus“, flüsterte Dionisio mit einem geheimnisvollen Lächeln. Vor Hans brutzelte in einer schweren Pfanne ein wahrer Festschmaus: Deftige Hackbällchen, die in der Hitze des Feuers ein unwiderstehliches Aroma von Pfeffer und Gewürzen verströmten. Direkt daneben formte eine junge Frau mit bemehlten Händen runde Teiglinge und legte sie auf Backpapier. Hans erkannte sofort den Duft, es waren traditionelle römische Brötchen, in die vor dem Backen vorsichtig Kreuze geritzt wurden.
Der Duft von warmem Honig zog Hans weiter an den nächsten Tisch. Dort stand eine Schale mit braunen, glänzenden Datteln. Zwei Frauen entkernten die Früchte geschwind, füllten sie mit frischen Pinienkernen und wälzten sie in einer klebrig-süßen Honigsauce, bevor sie eine Prise Salz darüber streuten. Es war ein Rausch der Sinne aus süßen, salzigen und würzigen Zutaten. Dionisio drückte Hans eine kleine, warme Dattel in die Hand. „Probier“, forderte er ihn auf. Hans biss zögernd hinein. In dem Moment, als die Süße des Honigs und die Würze der Dattel seinen Gaumen berührten, schienen die pochenden Kopfschmerzen wie weggeblasen.
Plötzlich begann der Raum um ihn herum zu kreisen. Das Lachen der Menschen, das Brutzeln der Pfannen und das Klirren der Becher verschwammen zu einem einzigen, ohrenbetäubenden Getöse...
Das lässt Hans aus tiefem Schlaf aufwachen. Völlig verwirrt schlägt er die Augen auf. Benommen denkt er: Was hatte ich bloß für einen verrückten Traum. Ich war im 1. Jahrhundert v. Chr. Und bei Lukullus zu Gast! Aber war es wirklich nur ein Traum?
(Verfasst von Alexa Rhode (EF) frei nach B. Cech, Lukullische Genüsse, Darmstadt 2013, S. 9-25.)



















