Fahrten & Schüleraustausch

My Trip to Edinburgh

Erstellt: Sonntag, 12. Dezember 2010 Veröffentlichungsdatum Geschrieben von P. Neubert

Schottlandaufenthalt vom 08.August 2010 bis zum 20.Oktober 2010

 
Als uns vor knapp einem Jahr in der Schule die Möglichkeit präsentiert wurde in der 10. Klasse einen Auslandaufenthalt während der Schulzeit zu machen, habe ich mich sofort angesprochen gefühlt. Viele meiner ehemaligen Lehrer haben dazu beigetragen, dass ich mich anschließend ernsthaft mit dieser Überlegung befasst habe. Mein Ziel sollte es sein sowohl mein Englisch zu verbessern wie auch neue Lebenserfahrungen zu sammeln.
Sehr schnell kamen wir auf die Idee uns mit Schottland zu beschäftigen, da gute Freunde meiner Eltern dorthin eine lange Freundschaft zu einer jungen Familie pflegen.
Gleich bei der ersten Kontaktaufnahme hat mir meine zukünftige Gastmutter ohne lange zu zögern eine herzliche Einladung ausgesprochen.
Klärungsbedarf wie die Zulassung zur lokalen Schule, Stundenplan, als auch die bekannte Schuluniform wurde direkt im Anschluss mit der stellvertretenden Rektorin während eines ausführlichen Telefonates vereinbart.
Sehr erfreut war ich über die äußerst unbürokratische Abstimmung. Bemerkenswert war. Nachdem ich auch die Freistellung vom Gymnasium Antonianum erhalten habe, waren alle Vorraussetzungen für die Anreise geschaffen.
 
Ohne vorher die Familie Wood kennen gelernt zu haben, sei es über Skype oder andere Internetplattformen, machte ich mich Anfang August auf den Weg. Angekommen am Airport Edinburgh stellte sich mein erstes Erlebnis in sofern da, dass ich 20 Minuten im ungewissen auf meine Gastfamilie warten musste. Letztendlich lief die komplette Mannschaft auf bestehend aus den 3 Jugendlichen; die 15 jährige Tochter Amy, der 13 jährige Fraser und Callum, 11 Jahre. Nun verblieben mir nur 10 Minuten um mich während der Anfahrt zum Haus an den Familienvan und den Linksverkehr zu gewöhnen. 
 
Angekommen im Haus der Familie Wood stellte ich schnell fest, dass es sich um ein sehr altes Haus mit schöner schottischer Architektur handelte. Allerdings wurde mir auch bewusst, dass ich hier nicht die komfortablen Vorzüge genießen würde, die ich von zuhause gewohnt war. Dies sollte mich aber nicht weiter stören.
 
Um sämtliche Klischees zu bestätigen gingen wir sofort am ersten Tag im Lieblingsimbiss der Familie Fish&Chips essen. 
Die Sprache und vor allem der verrufene Akzent bereiteten mir zu meiner eigenen Überraschung keine Probleme. Wie sich aber nachher herausstellte ist die Alltagssprache im nördlich gelegenen Glasgow sehr weit vom feinen Oxford School English entfernt.   
Der kumpelhafte Umgang machte es mir sehr leicht mich willkommen zu fühlen.
Kleine Smalltalks, welche man im normalen Leben als nicht besonders empfinden würde, sei es vor der Kasse im Supermarkt oder das Gespräch mit den Nachbarn, bei dem Spaziergang mit dem Hund wurden immer wieder zu kleinen Unterhaltsamkeiten.
 
In der ersten Woche meines Aufenthaltes waren noch Schulferien und ich hatte viel Zeit, um mich in der Familie einzuleben. Da ich nicht weit von der Stadtmitte entfernt wohnte, konnte man per Bus innerhalb kürzester Zeit im „Downtown“ sein.   
Ich nutzte das fantastische Wetter der ersten Tage, um mit Fraser die Stadt zu erkunden. 
Dabei faszinierten mich vor allem die verschiedenen Kulturen und die Lebensfreude in der Stadt. Das schnelle und amüsante Leben Edinburghs boten eine schöne Abwechslung zum ruhigen Dorfleben in der Heimat.
Unzählige Stunden verbrachte ich in sämtlichen Starbucksfilialen und lernte erstaunlicherweise immer wieder neue und sehr offene Menschen aus aller Welt kennen. Offenheit, gelassene Stimmung und allgemeines Interesse sind in Edinburgh Gang und Gebe.
 
Auch das sehr familiäre Leben der Familie Wood begeisterte mich. Die Großmutter kam mir sofort bei der ersten Begegnung mit offenen Armen entgegen und die Brüder der Gastmutter Gordon und Allen behandelten mich wie einen jahrelangen Freund. Ich zweifelte nie daran die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Das stetige Bemühen offen für Neues zu sein half mir dabei mich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Auch gab es Situationen, mit denen ich mich einfach abfinden bzw. arrangieren musste.
 
Die Herzlichkeit jedoch die mir über den gesamten Aufenthalt entgegengebracht wurde half mir auch in schwierigen Momenten diesen Auslandsaufenthalt nicht einen Moment in Frage zu stellen. 
 
Mein erster Schultag war ein sehr einschneidendes Erlebnis. 
Orientierungslos wusste ich nicht gleich wo ich hin sollte aber sowohl der Schuldirektor wie auch die stellvertretende Direktorin haben mich kurz nach meinem Eintreffen persönlich begrüßt und mir die Möglichkeit gegeben meinen Stundenplan frei zusammenzustellen.
Somit konnte ich die Kurse besuchen, welche mir ohnehin Spaß machen und musste mich nicht mit langweiligen Fächern wie Latein rumquälen.
In der Schule kamen sofort Mitschüler auf mich zu und erklärten mir den täglichen Ablauf. Ich bin ihnen bis heute sehr dankbar, dass sie mir geholfen haben, da ich ohne sie wahrscheinlich nicht in der Lage gewesen wäre einen normalen Schulablauf zu führen.
In einer Schule mit rund 850 Schülern immer den richtigen Klassenraum zu finden ist ohne fremde Hilfe auch geradezu unmöglich. 
 
Die Schüler der Comprehensive-School Queensferry Highschool sind aufgeteilt in drei Häuser Dundas, Hopetoun und Rosebery. Obwohl ich zuerst gedacht habe dies sei einfach nur eine alberne Eigenschaft, die man sich aus Harry-Potter Filmen abgeguckt hat, muss ich im Nachhinein sagen, dass es vor allem den Konkurrenzkampf und den Teamgeist fördert.
Auffällig ist das die Lehrer äußerst jung sind und sehr motiviert arbeiten. Nicht ein Lehrer war über 40 Jahre alt. Dadurch sind sie im Vorteil den Unterricht immer sehr frisch und modern zu gestalten.
Ich empfinde es  als vorbildlich, dass die Lehrer ein persönliches Interesse an den Leistungen der Schüler zeigten und diese auch statistisch erfasst und verfolgt haben, um sich regelmäßig gemeinsam neue konkrete Ziele zu setzten.
 
Die Schüler der Oberstufe haben 6 verschiedene Fächer, die sie abgesehen von Mathematik und Englisch frei wählen können, um sich besser auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren zu können.
Der Schulbetrieb startet um 8:45 und endet 16:00 Uhr. Gegen Mittag gibt es eine einstündige Pause. 
 
Da die High-School ähnlich funktioniert wie deutsche Gesamtschulen unterteilt man die Kurse in drei Leistungskategorien. Hierdurch wird es möglich mehrere Kurse in der obersten Kategorie zu absolvieren aber dennoch einzelne Fächer auf einem niedrigeren Leistungsstand zu besuchen.
Aber auch in den oberen Leistungskursen gibt es einen sehr starken Unterschied zwischen motivierten und unmotivierten Schülern. Dies merkt man daran, dass viele Schüler es nicht für nötig hielten pünktlich zum Unterricht zu erscheinen.
Die Schule besitzt meiner Meinung nach eine exzellente technische Ausstattung. Modernes Equipment wie Beamer und Laptops sind in jedem Klassenraum vorzufinden. Auch externe Workshops und Seminare in einzelnen Fächern werden von der Schule finanziert. Es gibt viele Angebote durch regionale Unternehmen. Diese Angebote werden auch reichlich genutzt.
 
Der so genannte Social Education Kurse findet einmal die Woche statt und die Schüler bekommen die Möglichkeit in kleinen Gruppen mit  ihrem Vertrauenslehrer über den Alltag in der Schule zu reden. Oftmals werden hier Verbesserungsvorschläge gemacht, die den Unterricht betreffen und das Zusammenleben auf der Schule verbessern sollen. Dort findet man ständig Gehör und die Schulleitung hat ein großes Interesse daran die Vorschläge möglichst schnell umzusetzen. 
Der Alltag fand fast komplett in der Schule statt, da die Schule auch Freizeitangebote bereitstellte und viele AG’s in Anschluss stattfanden.
 
Bis wir dann zuhause waren, war es meist schon 17:00 Uhr. Deshalb hatte man in der Woche auch nur wenig Zeit, um sich mit Freunden zu treffen oder irgendwo hinzufahren. 
Umso mehr freute ich mich immer wieder auf das Wochenende, dass ich mit Fraser und Amy oft in Glasgow oder Edinburgh verbrachte. Natürlich gab es auch viele Geburtstage die gefeiert werden mussten. Auch hier lernte ich immer wieder nette Leute kennen; mit denen man sehr viel Spaß haben konnte. 
Als begeisterter Golfer habe ich natürlich auch keine Chance ausgelassen, um mit dem Cousin Mark Golf zu spielen. Für jeden Golfer ist Schottland das absolute Paradies, viele Plätze am Meer sind weltweit für ihre Schönheit bekannt und haben mich total begeistert. Ich habe es mir auch nicht entgehen lassen einmal den legendären Golfplatz in St. Andrews zu besichtigen.  
Mit Gordon, der auch großer Motorsportfan ist war ich dann an meinem letzten Wochenende noch beim Finale der Europa-Rally, die stilecht bei schottischem Regenwetter stattfand. 
Umso schwieriger fiel es mir am Ende meiner 3 Monate von meiner Gastfamilie Abschied zu nehmen. Bin aber weiterhin mit der gesamten Familie und guten Freunde in Kontakt. Für den kommenden Sommer haben wir uns vorgenommen die Familie Wood zu besuchen um die schönen Erfahrungen auszutauschen.
 
Ich kann also nur an alle meine Mitschüler appellieren die Chance eines Auslandsaufenthalts  zu nutzen, sich auf etwas komplett Neues einzulassen und es einfach zu genießen. 
 
Mein Tipp: Just do it!!