EIn Jahr im Ausland – DREI Erfahrungsberichte (Update)

Erstellt: Samstag, 08. Juli 2017 Geschrieben von Rebecca Laame, Leila Lauer & Michael Spehr

Ein Jahr im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

von Rebecca Laame

Mitte August letzten Jahres machte ich mich auf den Weg, um mir meinen Traum zu erfüllen: ein Auslandsjahr in den USA. Ich bin mit der Organisation „Deutsches Youth for U

nderstanding Komitee e.V. (kurz: YFU) im Ausland gewesen. Von Anfang an war ich mit meiner Organisation sehr zufrieden, habe mich gut aufgehoben gefühlt und kann sie nur weiterempfehlen.

Nach langen Vorbereitungen, inklusive einer einwöchigen Vorbereitungstagung, ging es für mich in den Flieger nach Texas. Als ich endlich nach vier Flügen und einer Übernachtung in Chicago angekommen war, wartete meine Gastfamilie schon auf mich am Flughafen. Ich wurde mit einem Willkommensplakat sehr liebevoll in Empfang genommen. Meine Gastfamilie bestand aus meinen Gasteltern und zwei kleinen Gastgeschwistern. Meine amerikanische Schwester ist 12 Jahre alt und mein Bruder 6.

Die Texaner sind ein sehr offenes und gastfreundliches Volk und ich habe mich sofort wohlgefühlt. Man konnte mit jedem sprechen, jeder half, wo er konnte und man wird sehr herzlich aufgenommen. Was es mir sehr angetan hat, war das Zusammengehörigkeitsgefühl in Kirbyville, der Stadt, in der ich gelebt habe. Die ganze Stadt hat ein Maskottchen, die Wildkatze und die Farben sind rot und schwarz. Zu jedem Footballspiel sind fast alle Einwohner zusammengekommen und  haben dabei schwarze oder rote T-Shirts getragen und die  Spieler angefeuert. Sie waren sehr stolz auf ihre Stadt und besonders den Staat Texas. Wenn man durch Straßen in Kirbyville oder allgemein Texas gefahren ist, konnte man überall die amerikanische und texanische Flagge sehen. Sogar beim Friseur gab es einen Umhang, der aussah wie die amerikanische Flagge.

Die Schule fing sofort, nachdem ich angekommen war, an. Ich habe die 11. Klasse der Kirbyville High School besucht. Zu dieser Schule gingen ungefähr 400 Schüler und alle kannten sich untereinander. Es hat mir sehr geholfen, dass die Schule nicht sehr groß war, da ich so schneller Kontakte knüpfen konnte und Anschluss fand. Die amerikanische Schule ist eigentlich so, wie Filme sie darstellen. Es gab die „coolen“ Footballer und Cheerleader, die berühmten Spinde, die gelben Schulbusse und alle essen Lunch (Mittagessen) zusammen in der Cafeteria.
Die Schule ist ein sehr großer Teil des Lebens eines Jugendlichen in den USA. Die Schüler haben bis 15.30 Uhr Unterricht und danach sind die meisten noch in einen Sport oder einen Klub eingebunden. Am Anfang des Schuljahres habe ich Volleyball gespielt und im Frühling dann Tennis. Ich spielte vorher in Deutschland schon Volleyball und ich wollte im Ausland gerne noch eine neue Sportart ausprobieren. Viele meiner Freunde hatten mir Tennis sehr empfohlen und somit habe ich sofort nach den Winterferien angefangen, Tennis zu spielen. Wir hatten jeden Tag während der Schulzeit eine Stunde Tennis und auch nach der Schule zwei Stunden Training. Donnerstags sind wir meistens zu Turnieren über den ganzen Tag gefahren und mussten nicht zur Schule gehen. Einmal ist unser Tennis Team sogar über ein ganzes Wochenende zu einem Turnier gefahren. Wir haben dann in einem Hotel übernachtet und haben an zwei Tagen nacheinander nur Tennis gespielt. Im Endeffekt sind wir dritter geworden und konnten uns somit leider nicht für die staatsweite Ebene qualifizieren. In den USA gib es drei Sporttrimester und jedes Semester wird ein anderer Sport gespielt. Da meine Schule relativ klein war, wurden nicht so viele Sportarten angeboten, jedoch war es meiner Meinung nach ausreichend.     

Ganz besonders werden die Feiertag in den USA gefeiert. Es fängt an mit Thanksgiving am dritten Wochenende im November, welches wohl auch der wichtigste Feiertag in den Staaten ist. Wir haben den Tag mit der ganzen Familie verbracht und Truthahn gegessen. Kurz nach Thanksgiving fängt schon die Vorweihnachtszeit an. Meine Gastfamilie und ich haben Ende November angefangen, den künstlichen Weihnachtsbaum, der ungefähr 3 Meter hoch war, aufzubauen und zu schmücken.  Jeder in der Familie hatte einen eigenen „Stocking“ (Socke), in welchen Santa Claus in der Nacht auf den 25.12. die Geschenke reinfüllt. In allen Geschäften und Einkaufszentren  konnte man Weihnachtsdekorationen, riesige Weihnachtsbäume und viele Lichterketten finden.

Über die Frühlingsferien (Spring Break) bin ich mit meiner Gastfamilie an den Golf von Mexiko gefahren und wir haben dort eine Woche auf der Halbinsel Galveston zusammen verbracht. Das Wetter hat leider nicht wirklich mitgespielt, jedoch konnten wir viel drinnen unternehmen.

Mein persönliches Highlight des ganzen Jahres war mein Trip nach Hawaii. Die Reiseorganisation -Belo Travel- bietet Reisen für Austauschschüler an und weil sie eine Partnerorganisation von YFU ist, hatte ich die Möglichkeit, einen solchen Urlaub zu machen. Ich habe dort viele andere Austauschschüler getroffen und habe Leute aus den verschiedensten Ländern kennengelernt. Unser Hotel war sehr zentral und direkt am Waikiki Beach. Für die ganze Woche hatten wir einen vollen Zeitplan. Einen Tag sind wir zum zweitschönsten Strand in den USA gegangen, an einem anderen Tag waren wir schnorcheln und haben typisch hawaiianisch gegessen. Außerdem sind wir surfen gegangen und haben Pearl Harbor besucht. Hawaii ist definitiv der schönste Ort, an dem ich je war und ich habe die Zeit dort sehr genossen.

Zum Ende des Schuljahres gab es noch einen weiteren Höhepunkt: Prom! Prom ist ein Ball, zum dem nur die Schüler der 11. und 12. Klasse gehen dürfen. Schon 2 Monate vorher fangen die Vorbereitungen für den besonderen und aufregenden Tag an. Die Mädchen kaufen sich schöne Abendkleider, machen einen Friseurtermin und planen, wie sie den Tag vor dem Ball verbringen wollen. Ich bin mit einer großen Mädchengruppe zum Ball gegangen. Nachdem ich den ganzen Morgen damit verbracht habe, mich fertigzumachen, waren wir nachmittags alle zusammen essen  und sind danach zum Ball gefahren. Zuerst wurden Unmengen von Fotos gemacht und bis um 12 Uhr nachts wurde dann getanzt, gegessen und gelacht.

Nach 10 ereignisreichen und herausfordernden Monaten im „Lone Star State“ fand mein Auslandsjahr am 29. Juni ein Ende. Ich habe so viele neue Menschen kennen gelernt, ein neues Land erkundet, viele Erfahrungen gemacht und bin ein Teil einer anderen Familie geworden. Zusammenfassend kann ich jedem ein Auslandsjahr ans Herz legen, der Lust hat, eine neue Kultur kennenzulernen und gerne auf neue Menschen trifft.

 

 

“Ad astra per aspera” - ein Auslandsjahr im tiefsten Kansas
 

vom Michael Spehr

“Grenzen (und das nicht nur auf geographischer Ebene gesprochen) überwinden, Freunde finden”: unter diesem Motto fasste ich Anfang 2016 den tatsächlich relativ spontanen Entschluss, ein Schuljahr als Austauschschüler in den USA zu verbringen. Meine Motivation bestand vor allem darin, im Unterricht erworbene Englischkenntnisse stark zu vertiefen und mich in eine selbstständige, unabhängige Person zu entwickeln, die auf eigenen Beinen stehen muss, fernab von Familie und Freunden. Zudem reizte mich der Gedanke, schlichtweg unvorhersehbare Erfahrungen in einem komplett fremden Umfeld zu sammeln, quasi um zu testen, ob ich einer solchen Herausforderung mit gerade einmal fünfzehn Jahren gewachsen sein würde.

Ende Juli traf endlich die langersehnte Nachricht ein: Experiment e.V., meine Austauschorganisation,  hatte in Kansas, dem im Winter eisigen, im Sommer trocken und heißen, landwirtschaftlich-geprägten “Sunflower State” im Mittleren Westen der USA, genauer gesagt in der knapp 1000 Seelen Gemeinde Clyde, eine Gastfamilie gefunden. Diese bestand aus Sherri, meiner Gastmutter, Anfang fünfzig, und teilzeit-arbeitende Krankenschwester, Steve, Vater der 6-köpfigen Familie, auch fünfzig, und Leiter seiner eigenen Zaunfirma. Die beiden ältesten Söhne (beide Mitte Zwanzig) wohnten schon außer Haus, so dass ich noch mit Austen, einem “Junior”, also Elftklässler, sowie Thomas, einem “Freshman”, also Neuntklässler, für die kommenden zehn Monate unter einem Dach leben und zur selben High School gehen, bzw. die circa 600 Meter in Austens Pick-Up (dem Fahrzeug, das fast jede Familie besaß, und nicht scheute, zu benutzen) fahren würde.

Das Schulleben entpuppte sich - trotz der bescheidenen Schülerzahl von nicht einmal 100 -  als unfassbar vielfältig, bedingt durch eine extrem breit gefächerte Auswahl an Fächern, z.B. Psychologie, Wirtschaft, Ernährung, Medientechnik. Doch auch praktische Arbeit genoss hohes Ansehen, da u.a. Kurse in Schweißen und Tischlerei zur Wahl standen. Dazu gesellten sich etliche “extracurricular activities”, also AGs, wie etwa Future Farmers/ Business Leaders of America, Scholars Bowl (eine Art Quiz-Team), Band, Trap Shooting (Tontaubenschießen), und vieles mehr.

Neben den akademischen Geschehnissen, beeindruckte mich außerdem der unangefochtene Stellenwert, den generell sportliche Aktivitäten genießen, zutiefst. An meiner Schule, und ich erfuhr, dass es im ganzen Land der Fall war, waren die zur Auswahl stehenden Sportarten nach Jahreszeiten unterteilt:

Es begann mit Cross Country (10 km Laufen) und Volleyball für Mädchen im Herbst, männliche Schüler spielten, was ich fast schon als Nationalsportart bezeichnen würde, American Football. Jedoch entschied ich mich angesichts der erforderlichen körperlichen Robustheit des Spiels sowie der Tatsache, dass der Tag für die extremst stabil gebauten Jungen um sechs Uhr morgens mit einer zweistündigen Einheit vor Schulbeginn im Kraftraum begann, dafür, mit einem intakten Skelett lieber im Winter am Basketball-Geschehen teilzunehmen. Zu guter Letzt wurde ich ab März dann ebenfalls Teil des Leichtathletik-Kaders, genannt “Track and Field”, wobei ich erfreulicherweise Siebter bei den Landesmeisterschaften über die 110m Hürden wurde, dank täglichem Trainings nach Unterrichtsschluss, wie üblich. Hervorzuheben beim Thema Sport waren über alle Maßen hinaus auch die bedingungslose Unterstützung seitens Eltern oder auch Bekannter aus dem Dorf. Es verging nicht ein Spiel, ohne dass dutzende Fans mit Plakaten und Postern die teilweise dreistündigen Autofahrten in Kauf nahmen, um die Mannschaften lautstark gegen andere “1 A”- Schulen (Schulen bis 120 Kinder) anzufeuern, weshalb ich mich wirklich geehrt fühlte, Bestandteil verschiedener Teams gewesen sein zu dürfen.

Natürlich existierte auch ein Leben außerhalb der Schulwände, denn selbst “in den weiten Ebenen” boten sich durchaus einige, teils originelle, Arten der Freizeitgestaltung: auf dieser Liste erfreuten sich vor allem Jagen und Fischen großer Beliebtheit. Daneben traf man sich häufig in Fast Food-Restaurants, zum Basketball Spielen/ Gucken oder ging “Cruising”, also Spazieren- Fahren in den Feldern - wer kann den Jugendlichen diese Beschäftigung bei einem Spritpreis von knapp $2 pro Gallon, also vier Litern, verdenken?

Weitere persönliche Erlebnis-Highlights umfassten einen Trip nach Oklahoma City, der Metropole im gleichnamigen Staat, die 1995 Opfer eines verheerenden Bombenanschlag wurde, und einen Skiurlaub in Keystone, Colorado. Auf über 4000 Metern lernte ich dann das Skilaufen in einer im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubenden Berg-Kulisse, die seit der Legalisierung von Cannabis vor einigen Jahren nicht nur Hotspot von auf den Adrenalinkick erpichten Junkies ist. Zudem besuchte ich zwei Spiele des Football Teams der Kansas State Universtiy in ihrem über 50000 Mann fassenden Stadion. Es war wirklich erstaunlich zu sehen, welchen Status College-Athleten genossen, auch im TV, obwohl nur knapp fünf Prozent den Sprung in professionelle Ligen schaffen.

Kurz vor Ende meines Austausches, konnte ich schließlich das wohl bekannteste und mit riesiger Spannung erwartete Ereignis eines Amerikanischen Schuljahres live miterleben - Prom -, der legendäre Abschlussball für Elft- und Zwölftklässler sowie deren Dates. Hierbei puzten sich die Teilnehmer bis auf das Äußerste mit geliehenem Anzug und Abendkleid heraus und begaben sich am frühen Abend per Oldtimer oder gemieteter Limousine zur zuvor tagelang dekorierten Turnhalle, wo dann eine einstündige Fotosession begann. Nachdem die einzelnen Paare abgelichtet worden waren, marschierte man anschließend gemeinsam an extra aufgebauten Tribünen vorbei und stärkte sich ausgiebig beim Vier-Gänge-Buffet, bevor dann eine lange Nacht begann und man bis in die Morgenstunde feierte - selbstverständlich unter ständiger Beobachtung der Lehrkräfte.

Zurückblickend kann ich nun feststellen, dass diese knapp zehn Monate im einsamsten Kansas sich wohl als erlebnisreichster und vor allem prägendster Abschnitt in meinem bisherigen Leben herausgestellt haben. Dank der aufgeschlossenen, freundlichen, und auch offenen Einstellung der Jugendlichen an der High School und den Einwohnern des Ortes, wurde ich als fremder Deutscher schnell als guter Freund und akzeptierter Teil der Gemeinschaft angesehen, so dass sich das beschauliche Clyde bald wie ein zweites Zuhause anfühlte. Insbesondere (mit) meiner “Host Family” werde ich dafür ewig verbunden bleiben, dass sie mich fast ein Jahr lang sowohl als ein Bestandteil ihres Alltages, aber auch als ein Mitglied der Familie aufnahmen und mich in den eigenen vier Wänden wohnen ließen. Unabhängig davon, wie “great again” Amerika wird, ich werde an all die Menschen, die ich in so kurzer Zeit so sehr zu schätzen gelernt habe, auch in Zukunft stets mit guten Erinnerungen zurückdenken.

 

Indien – Eine Fremde Welt

von Leila Lauer

Jetzt ist mein Auslandsjahr schon wieder vorbei und dieses möchte ich nun als Chance nutzen, um einfach noch einmal ein wenig auf die schönsten Momente meines Auslandsjahres zurückzublicken.

In Deutschland habe ich oft darüber nachgedacht, wie es wohl werden wird, wie werden meine ersten Tage sein, wie wird meine Familie sein, wie werde ich mich verständigen!? Tausend Fragen und keine Antwort und selbst wenn ich eine Antwort gehabt hätte, dann wäre sie niemals so gewesen, wie ich meine ersten Tage erlebt habe.

Angefangen hat mein Abenteuer am 22.07.2016 mit einem sehr langen Flug. Angekommen in Ahmedabad war ich einfach nur noch verschlafen und müde. Ich wurde von meiner ersten Gastfamilie liebevoll empfangen. Daraufhin folgte noch eine zweistündige Fahrt zu meiner eigentlichen Stadt Vadodara.

Es war ein ganz seltsames Gefühl, als ich zum ersten Mal meine neuen Eltern kennenlernte. Sie sahen super sympathisch aus, dennoch hatte ich nicht sofort ein Gefühl der Geborgenheit, welches ich normalerweise von Zuhause gewöhnt bin. Im Gegenteil, ich war schüchtern. Ich fühlte mich nicht in der Lage, meine Gastmutter und meinen Gastvater zu umarmen, wie ich es mir eigentlich ausgemalt hatte, stattdessen schüttelte ich ihnen einfach die Hand und lächelte, wenn auch nicht überzeugend. Jedoch fing ich schnell an Vertrauen aufzubauen und mit jedem Tag entwickelte sich mehr und mehr eine Bindung zwischen uns und ich würde die beiden mittlerweile auch als meine Familie und meine Eltern ansehen.  Da ich in drei Familien war, musste ich mich immer wieder auf Neues einstellen, jedoch hatte ich bei jeder Familie eine schöne Zeit, bei manchen mehr oder weniger, aber im Endeffekt habe ich in jeder Familie etwas lernen können.

Die ersten Tage waren sehr turbulent, da ich sofort die komplette Familie meiner Gastmutter kennengelernt habe. Es waren so vielen Eindrucke und so viele Menschen, dass ich mir nicht von allen die Namen merken konnte. Dann folgte das Wochenende und ich habe viel Zeit mit meiner Familie verbracht und schon viel über Indien erfahren.

Kurz darauf folgte der erste Tag in der Schule. Ich hatte ein mulmiges Gefühl, da ich niemanden kannte und ich nicht wusste, was mich erwarten würde. Auch wenn jeder mit mir reden wollte, hatte ich einen schweren Start. Nach und nach habe ich dann meinen Freundeskreis aufgebaut, worüber ich sehr glücklich war und was auch sehr wichtig für mich war.

Aber das wirklich Interessante passierte an den Wochenenden und nachmittags, wenn der Alltag zu den schönsten Dingen des Lebens gehört. Wenn die Zeit mir gehörte und ich Unglaubliches mit meiner Familie erleben konnte. Die Familie in Indien hat einen sehr hohen Stellwert und stellt den Mittelpunkt des indischen Lebens da. Die Familienmitglieder haben meistens ein inniges Verhältnis miteinander. Folglich ist deine Gastfamilie für dich der wichtigste Anhaltspunkt während des Austausches in Indien.

Nach ca. 1 Monat folgte die erste Orientierungswochenende mit Rotary. Da habe ich die anderen Austauschschüler aus meinen Distrikt 3060 kennengelernt. Die Rotary-Mitarbeiter haben uns vieles Wissenswertes über die Geschichte des Landes, die Kultur, das Familienleben, das Schulsystem, beliebte Freizeitaktivitäten und vieles mehr erzählt.

Während meines Austauschs, hat Rotary für uns zwei dreiwöchige und eine einwöchige Reise durch Indien organisiert. Dadurch habe ich die schönsten indischen Städte und Sehenswürdigkeiten besuchen können und kennengelernt. Außerdem hatten wir mehrere Orientierungsseminare, in denen wir das, was wir bei den Familien, in der Schule oder in der Freizeit gelernt hatten, präsentieren konnten. Durch die Reisen und Orientierungstage sind wir Austauschkinder zu einer Familie zusammengewachsen.

Die indische Kultur ist sehr vielseitig und offen für alles. Man lernt jeden Tag etwas Neues, ob es was über die Feste ist, den Kleidungsstil, die Traditionen oder an sich über das Land. Trotz alledem gibt es kleine Unterschiede in verschiedenen Teilen. In Südindien ist es üblich auf Bananenblättern zu essen, was in anderen Teilen schon wieder ganz anders aussieht.

Man kann viel Positives über Indien berichten. Leider gibt es auch die unschönen Seiten wie die Armut in Indien, die einen wirklich zweifeln lässt. Immer noch leben über ein Viertel der Inder unter der Armutsgrenze.  Es kann vorkommen, dass direkt neben einem reichen Viertel ein Slum angesiedelt ist, wo die Häuser nur aus zusammengewürfelten Plastikteilen bestehen. Die Leute, die auf der Straße leben, kriegen Kinder mit dem Gedanken eine Person mehr zum Arbeiten zu haben. Die Kinder versuchen auf den Straßen Kleinigkeiten zu verkaufen, um Geld zu verdienen. Die armen Kinder klopfen auch an Autos und fragen nach Geld oder etwas zu Essen. Oftmals wissen die kleinen Kinder nicht, was sie mit dem Geld, welches sie von Passagieren bekommen, machen sollen. Daher geben sie es meistens ihren Eltern, die es einstecken und ihre Kinder nochmal zur selben Person schicken, da es ihnen zu wenig Geld war. Das Traurige ist, das diese Kinder so gut wie keine Chancen auf ein normales Leben haben, da sie nicht zur Schule gehen und keine Bildung bekommen. 

Indien ist ein wunderschönes Land mit tausenden Farben und ich bereue es nicht, meinen Austausch dort verbracht zu haben. Ich habe so viele Eindrücke gewonnen und wundervolle Momente erlebt, die für immer in meinem Herzen bleiben werden. Ich habe unglaublich viele liebe Menschen kennengelernt und Freundschaften fürs Leben geschlossen. Alles in allem kann muss ich sagen, dass man Indien selbst erlebt haben muss.

Wann immer ihr die Chance habt, so etwas zu erleben, schreckt nicht vor ungewohnten Dingen oder Erzählungen anderer zurück, macht es einfach und genießt die „kulturellen Überraschungen“!

Ich würde jedem der die Chance hat empfehlen einen Austausch zu machen und auch Länder auszuprobieren, die nicht typische Austauschländer sind, da diese auch ihren eigenen gewissen Charm haben den man nicht vergleichen kann. 

Ich kam nach Indien, verliebte mich in das Land, seine Menschen und seine Traditionen. Der Austausch half mir die verschiedenen Kulturen besser zu verstehen, eine zweite Familie und neue Freunde zu finden. Ich freue mich wieder in Deutschland zu sein. Die 10 Monate waren doch recht lang trotzdem vermisse ich das was war und freue mich auf ein baldiges Wiedersehen mit meinen Indern.